AKTIONEN - Die Bundestagswahl - mit der Kuchengabel abstimmen
 

Erik schmeckt nach Zitrone, Gunther nach Nuss, Katja nach Kirsche, Memet nach Möhre und Annette nach Cranberries. Weil die vielzitierte Abstimmung mit den Füßen eine anstrengende Angelegenheit ist, entscheidet jetzt der Geschmack. Wahlkampf mit der Gabel lautet die Devise bei den Kuchen, die Bäckermeister Martin Reinhardt aus Knittlingen passend zu den fünf Bundestagskandidaten für Pforzheim und den Enzkreis gebacken hat.

Lecker: Jeder isst seins

 

In trauter Eintracht schlemmten sich die vier Bundestagskandidaten Gunther Krichbaum (CDU), Katja Mast (SPD), Memet Kilic (Grüne), Erik Schweickert (FDP) und in Vertretung für die verhinderte Annette Groth (Linke) einer der Sprecher des Kreisverbandes der Linken, Heinz Keller, gestern durch die Kuchentheke in Knittlingen. Jeder aß zuerst natürlich nur von seinem Kuchen. Unterstützt von seinem Team hatte Bäcker Reinhardt die Kuchen passend zu Partei und Kandidat zusammengerührt.

„Meiner ist der Höchste“, freute sich Schweickert und putzte in Rekordzeit seinen gelben Zitronenkuchen weg. „Da ist eben viel Luft drin“, stichelte der Grüne Kilic, dem ein „Karottenkuchen aus alternativem Anbau“ zugeordnet worden war. Obwohl Katja Mast mit Himbeerkuchen gerechnet hatte, mundete auch der Schokokirschkuchen, dessen Puderzuckerstreifen das Orakel Kilic „eisige Zeiten“ für die SPD vorhersagen ließ.

Als „euphemistisch“ (für Nichtfremdworterprobte: verharmlosend) bezeichnete Krichbaum, dass Parteifreund Reinhardt die Linke in der Anordnung fürs Pressefoto „in die Mitte“ gerückt hatte. Reinhardt verwies in der Aufstellungsfrage allerdings auf seine Frau, die allein nach optischen Gesichtspunkten bewertet habe. Da passte der Apfel-Birnen-Kuchen mit „besonders roten“ Cranberries (Moosbeeren) super zwischen die Schoko-Komponenten von CDU und SPD. Wobei der Bäckermeister noch am Rezept feilen will. Beispielsweise könnte man die 40 Prozent Nussanteil im CDU-Kuchen den Wahlprognosen anpassen oder die Kirschenanzahl im SPD-Kuchen variieren.

Dass auch ein erprobter Bäcker die Geschmäcker seiner Kunden nicht vorhersagen und damit die Wahl beeinflussen kann, beweist laut Reinhardt ein ähnlicher Kuchen-Test bei der letzten Bürgermeisterwahl in Knittlingen. Da sei man vom Kuchen-Sieger sehr überrascht worden. Welcher Kuchen in den Bäckerei-Filialen in Knittlingen und Maulbronn am besten mundet, schreibt Reinhardt in den kommenden Wochen auf sein Wahlbarometer. Dort ist dann zweifelsfrei nachzulesen, welcher Kandidat den Geschmack der Bürger trifft.

Eine Blindabstimmung in der PZ-Redaktion in Mühlacker erbrachte gestern eine utopische Mischung: Nussige CDU träfe auf streuselige Linke. Interessanterweise war nachher nur das Stück Zitronenkuchen komplett verschwunden, wofür aber wieder mal keiner verantwortlich gewesen sein wollte.

mit backfrischen Grüßen

Martin Reinhardt